Befreiung
Ich bin wirklich froh, jetzt diesen Blog zu haben. Nun habe ich die Möglichkeit, all das, was schemenhaft oder auch vollständig ausformuliert in meinem Kopf herumschwirrt, textuell festzuhalten.
Natürlich könnte man jetzt einwenden, dass das doch schon vorher möglich war – immerhin ist ans Verfassen eines Textes kein Veröffentlichungszwang gebunden. Das ist für sich sicher richtig, aber wenn ich etwas niederschreibe und gleichzeitig verschlossen halte, niemals publiziere, dann hat das für mich eine Art von Sinnlosigkeit, Verschwendung. Das hat nichts damit zu tun, dass ich meine geistigen Ergüsse für derart wertvoll halte, dass sie unbedingt in die Welt getragen werden müssen. Auch wenn diesen Blog nur drei, vier, fünf Leute lesen, hat es seine Wirkung schon erreicht. Denn die liegt vor allem (neben der Anregung zur Diskussion) darin, meine Gedanken in den großen Kosmos der Meinungspluralität hinauszutragen und am Markt der Ideen teilzuhaben. Das stellt für mich eine Form der Befriedigung dar, dem geschriebenen Text gegenüber und natürlich mir selbst.
Trotzdem gibt es Texte, Gedichte oder Gedankengänge, die unter Verschluss bleiben. Wieso? Nun, entweder weil sie zu persönlich sind, oder aber unfertig und vielleicht auch unreif. Letztere kann ich überarbeiten, erstere sind gut so, wie sie sind, aber dennoch “geheim”. Das mag meiner eben erfolgten Erläuterung widersprechen, doch denke ich, dass sich hier gut eine Trennung vollziehen lässt: Zwischen persönlichen und subjektiven, aber dennoch öffnungskompatiblen Gedanken, und sehr eng an meine Persönlichkeit gebundene und demnach nicht für die Öffentlichkeit geeignete Ergebnisse des Nachdenkens. Erstere müssten ebenfalls nicht unbedingt publiziert werden, doch wie gesagt verhilft mir dies zu einem angenehmeren Gefühl. Bei letzteren wäre es umgekehrt, deren Veröffentlichung käme einem Seelen-Striptease gleich, und vor Fremden ausgezogen habe ich mich noch nie gerne. Dafür helfen sie, schwierige und mir zu schaffen machende Gefühle zu verarbeiten, festzuhalten, auf Papier zu speichern, um vielleicht eines Tages darüber nachdenken zu können. Das geht auch ganz gut, ohne dass Andere von diesen Dingen wissen.
Aber wer weiß, vielleicht ist auch einmal die Zeit reif, die persönlichkeitsnahen Texte in die Welt zu schicken? Das kommt auch immer ganz auf meinen Lebensstatus an.



