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Journalismus, Tag 1

geschrieben am 2. Juli 2009

Wie manche vielleicht wissen, absolviere ich im Juli ein Volontariat beim Kurier. Nach der gestrigen Einschulung ging es heute wirklich los und ich konnte bereits einige Eindrücke sammeln.

Der erste beruft sich auf die Stimmung innerhalb der Redaktion. Von Filmen beeinflusst stellt man sich eine solche ja immer ziemlich hektisch vor: Journalisten rennen wahlweise mit Eilmeldungen in der Hand durch die Gänge oder sind heftigst am Telefonieren bzw. Tastaturklopfen, der Chefredakteur will endlich Ergebnisse sehen und die nächste Presseaussendung wirft das ganze Konzept wieder aus dem Rahmen. Dass dieses Bild nicht ganz der Wahrheit entspricht, dürfte – von wirklich großen Zeitungen abgesehen – jedem klar sein. Im Innenpolitik-Ressort, wo ich stationiert bin, geht es im Vergleich dazu aber zu wie im Altenheim.
Das liegt zum einen daran, dass Urlaubszeit und die Zahl der Belegschaft dementsprechend niedrig ist. Zum anderen lassen sich die verbliebenen Mitarbeiter etwaigen Stress aber auch kaum anmerken. Beispielsweise wartete ein Kollege zwar sehnsüchtig auf die Rückmeldung einer Meinungsforscherin, um einen Artikel fertig stellen zu können, aber die wahrscheinlich im Laufe der Zeit erworbene Gelassenheit überschattete das sehr gut. Davon abgesehen ist der Output des Ressorts mit gerade einmal einer Doppelseite auch nicht derart groß, weswegen eher das Motto “Planung statt Kurzfristigkeit” vorherrscht.

Gelernt habe ich zweitens, dass der größte Feind eines Nachrichtenschreibers tatsächlich die Zeilenbegrenzung ist. Einen bereits gut ausformulierten Text nach der Platzzuweisung im Layout um mindestens die Hälfte kürzen zu müssen, nur um dann draufzukommen, dass da ja auch noch eine drei Zeilen verschlingene Überschrift dran muss, ist eine Herausforderung für sich. Endgültig demotiviert wird man dann, wenn der Ressortleiter den Korrekturstift ansetzt und von der eigentlichen Meldung gerade mal ein Satz so bleibt, wie man sich ihn vorgestellt hat. Das klingt jetzt drastischer als es ist, denn natürlich muss ein Journalist mit langjähriger Erfahrung, der noch dazu für die Endresultate verantwortlicht ist, bei einem absoluten Neuling einiges herumdoktern. Wirklich schade ist es allerdings, wenn die Ergebnisse dann in letzter Minute doch zugunsten einer Analyse ganz aus dem Blatt verschwinden…

Sei’s drum. Das Klima hier ist jedenfalls angenehm, die Mitarbeiter sympathisch, nur die Redaktionssitzungen erscheinen mir noch ein Stück zu kryptisch. Davon abgesehen bleibt aufgrund des wenigen Platzes in der Zeitung für mich leider nicht allzu viel zu tun – journalistische Entfaltung sieht jedenfalls anders aus. Ich hoffe also, in den nächsten Wochen vermehrt Eindrücke sammeln zu können, sei es bei Pressekonferenzen, Interviews oder Reportagen. Und bis dahin erscheint vielleicht auch mal eine Kurzmeldung von mir im Kurier.