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Die große Party

geschrieben am 24. Juni 2009

I don’t know if I’ve been reborn,
Lived a past life, suffered in another time,
I don’t know

If I’ll go somewhere special when I die
If I’ll go somewhere special when I die
So I’ll just go on living my way

Gavin Hayes / dredg

Ja, schon wieder dredg. Viele ihrer Texte sind einfach schön formuliert und regen zum Nachdenken an. So auch dieser Ausschnitt.

Einige Leute meinen, man müsste eine Meinung zu dem, was nach dem Tod kommt (oder nicht kommt), haben. Also darüber, ob die Seele in den Himmel aufsteigt, ob man wiedergeboren wird, ob da einfach nur unendliches Schwarz ist oder ob man auf der Venus landet und eine riesige Party feiert. Klar, solche Dinge beschäftigen die Menschen – wir sind ja prinzipiell Lebewesen, die immer alles im Voraus planen wollen und neugierig sind, was als nächstes kommt, und ängstlich und unsicher, wenn sie es nicht wissen. Das ist in den meisten Fällen gut und führt zu ziemlich viel Positivem (bzw. ist es für das Leben des modernen Menschen sogar unabdinglich), in diesem aber genau zum Gegenteil, nämlich zu ständiger und einen plagenden Unsicherheit.

Denn wissen, was uns nach dem Tod erwartet, können wir nicht. Das kann niemand, schließlich ist von den Toten noch keiner zurückgekehrt – auch wenn es immer wieder Leute gibt, die von so genannten “Nahtod-Erfahrungen” berichten. Hier stellt sich natürlich die Frage nach der Glaubwürdigkeit; davon abgesehen waren diese Leute aber niemals richtig (also klinisch) tot, ansonsten könnten sie weder Erinnerungen sammeln, noch diese überhaupt noch an irgendjemanden weitergeben.

Es bleibt also nur der Glauben an das Danach, und der ist bekanntlich äußerst individuell. Ob man an die Richtigkeit der Worte einer “Heiligen Schrift” glaubt, an mystische Überlieferungen oder die Eingebungen eines selbsternannten Propheten, bliebt jedem selbst überlassen. Allerdings bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass es vernünftig oder gar wichtig ist, überhaupt zu dieser metaphysischen Frage Stellung zu nehmen. Denn in naturwissenschaftlichen Kategorien gedacht bleibt einem nur eine einzige und ehrliche Antwort: “Ich weiß es nicht”, genauso wie es kein anderer Mensch wissen kann. Und wozu spekulieren? Haben wir irgendetwas von den wüstesten Theorien, die man zu dieser Thematik aufstellen kann? Bringen sie uns auch nur irgeneinen Schritt weiter, verlieren wir dadurch unsere Angst vor dem Unausweichlichen?
Für manche Leute – die mit einem starken Glauben – mag das zutreffen. Dass man jemandem durch die Überzeugung, nach dem Tod erwarte einen etwas Angenehmes, ein bisschen was von seiner Ungewissheit nehmen kann, will ich nicht bestreiten. Dazu muss dieser Mensch aber entweder recht leichtgläubig sein, oder aber entsprechende geistige Tendenzen bereits in sich verankert haben – beispielsweise durch eine vorangehende religiöse Erziehung.

Allen anderen bleibt aber eben nichts als die Hoffnung auf ein gutes Ende – oder sie gehen meinen Weg und akzeptieren einerseits unser Unwissen, andererseits unsere Endlichkeit, die ja nicht unbedingt etwas Schlechtes sein muss. Daraus folgt aber nicht nur vermeintliche Plan- und Gedankenlosigkeit, sondern – hoffentlich – auch ein bewussteres Leben im Diesseits, ein Auskosten von all dem, dessen wir uns sicher sein können – dem Leben im Hier und Jetzt.