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Ein Kurzfilm

geschrieben am 26. Juni 2009

Ich würde gerne einen Film drehen. Einen Kurzfilm, nichts Besonderes, ein paar Impressionen aus meiner Heimatstadt. Ich stelle mir das so vor:

Ich gehe mit meiner Kamera in der Hand durch die Straßen. Ich sehe Autos, sie fahren vorbei und ich halte ihr Fahren fest und stelle mir vor, wie ich anschließend einen Zeitlupeneffekt in die Aufnahme einbaue.
Ich blicke in den Himmel, und meine Kamera mit mir. Sie hält den Flug eines Vogels fest und es sieht so aus, als würde er jeden Moment mit dem Flugzeug, das dort ebenfalls fliegt, zusammenstoßen. Aber das ist natürlich total unrealistisch, obwohl es wirklich so aussieht, als würde ein gigantischer Spatz kurz davor sein, eine Luftmaschine zum Absturz zu bringen, wenn man den Schnitt richtig setzt.
Im Park sitzen Leute. Sie reden miteinander und ich beobachte sie dabei heimlich. Sie sehen nicht, wie ich ganz nah an sie heranzoome und ihre Mundbewegungen aufnehme. Ich kann natürlich nicht hören, was sie reden, und am Video wird man nur das Umgebungsrauschen hören. Aber das macht es umso interessanter – vielleicht lässt das heftige Gestikulieren erahnen, worüber sie sich unterhalten?

Dann bin ich am Fluss, oder besser: Auf der Brücke über dem Fluss. Ich packe mein Stativ aus und filme lange, sehr lange die ruhigen Bewegungen der Wellen, die großen und kleinen Schiffe, die unregelmäßig die Brücke passieren und auch die Leute, die auf den Wiesen neben dem Fluss in der Sonne liegen, nahe des Ufers baden oder ihre Drachen steigen lassen. Es ist windig, deswegen kann das Mikrofon nur ein störendes Rauschen aufnehmen. Später werde ich es wegschneiden und durch etwas Passenderes ersetzen, vielleicht eine leise Flötenmelodie oder Klavierspiel.

Auf der anderen Seite der Brücke liegt ein Wald, in ihm ist es ist leise und die Stille wird nur durch die ab und zu erfolgenden Schreie eines Kuckucks durchbrochen. Die Blätter, die nur wenig Sonne durchlassen, bieten ein erstaunliches Spiel von Licht und Schatten, das ich natürlich – mit dem Objektiv nach oben gerichtet – aufnehme. Es ist so ruhig hier, ich könnte einschlafen, aber das gäbe einen sehr langweilige Film. Ein anderes Mal muss ich wieder hierher kommen, nur um mich der Natur vollends hinzugeben.
Als ich den Wald verlasse, steht ich an einem kleinen See. Ein Auslauf des Flusses mündet hier und macht ihn, bewacht von hohen Bäumen und einsamen, weiten Wiesen, zu einer Oase der Ruhe. Mein Stativ kommt auch hier wieder zum Einsatz und filmt mit langsamen Schwenks die rauschenden Blätter und die wenigen Enten, die gemächlich über das Wasser gleiten. Der Abend bricht langsam hinein und ich hoffe, dass meine Kamera für Aufnahmen mit schlechten Lichtverhältnissen gut genug ist. Noch ist alles deutlich zu erkennen und auch das Rauschen hält sich in Grenzen.
Schließlich verlasse ich den See und den Wald wieder und wende mich den gepflasterten Wegen zu, die ihn umringen. Dort ist nicht viel los, eine kleine Siedlung aus Einfamilienhäusern erstreckt sich neben dem großen Fluss. Ich mache einige kurze Aufnahmen von vorbeigehenden Menschen, manche wundern sich über meine Filmerei, andere scheinen sie gar nicht zu bemerken. Die Sonne ist mittlerweile schon fast untergegangen und ich fange das Abendrot des Himmels ein, wie er sich über das bis in die Nachbarstadt reichende Wasser erstreckt. Ein enormes Hochhaus gibt der Szenerie einen Anhaltspunkt und ich werde später im Zeitraffer die Sonne untergehen sehen, bis sie ganz verschwunden ist und das Dunkel der Nacht freigibt.

All das würde ich aufnehmen, wenn ich eine Kamera hätte. Doch so bleiben die Bilder in meinem Kopf und der fertige Film ein Produkt meiner Vorstellung.