Personifikation eines Despoten
geschrieben am 24. Juni 2009Ich liege im Bett und der Schlaf hält mich fest umschlungen. Nachdem er mich am Vorabend niedergestreckt hat, nach langem Kampf mit meinen Augenlieder, die letztendlich doch nachgeben musst, hält er mich auch jetzt noch, viele Stunden und viele Reisen später, mit eisener Hand fest.
Ich möchte nicht behaupten, dass am Schlaf nur Schlechtes ist. Er erfrischt mich, gibt meinem Körper Gelegenheit zur Regeneration. Aber als Ausgleich will er dafür etwas umso Kostbareres: nämlich meine Zeit. Und hier ist der Schlaf besonders gierig, denn er will sehr, sehr viel Zeit von mir.
Es lässt sich auch nicht sagen, dass es ein sonderlich faires Geschäft ist. Weder kann ich die Konditionen beeinflussen, noch ist das Ergebnis des Zeit-Regenerations-Handels immer befriedigend. Oft bin ich nach vielen Stunden Schlaf nämlich immer noch müde und erledigt und es benötigt vieler Überwindung (und Zeit!), davon loszukommen.
Ich glaube, dass sich der Schlaf durchaus bewusst ist, welch unfaires Spiel er hier treibt. Womöglich ist es eine Art Rache für die Maßnahmen, die wir uns haben einfallen lassen, um ihn zu manipulieren, ihn auszutricksen. Schlaftabletten, Energy Drinks, Koffein. Nicht, dass sich der Schlaf nicht dennoch holen würde, was ihm zusteht. Nur bekommt er es nicht zum von ihm gewünschten Zeitpunkt. Und nimmt es sich dafür dann umso gnadenloser.
Mein Exkurs über den Schlaf als hinterhältigen Zeitdieb ist hiermit noch nicht zu Ende. Aber ich muss jetzt erstmal Schluss machen – ich bin nämlich sehr müde…



